Montag, 20. August 2012
Der Kater hat es nicht geschafft
In der Villa Ährenwort herrscht Trauer. Am Samstag twitterte ich:



Unser kleiner Kater Sammy wurde 13 Jahre alt. Vor ca. 1 Woche schrieb ich ja schon, dass er immer weniger frisst und wir vom Tierarzt das OK bekamen, dass er wieder normales Futter fressen kann. Das tat er auch, aber nur kurz. Dann verweigerte er auch das. Ich fuhr immer wieder zum Tierarzt und erhoffte mir Hilfe, aber untersuchen ließ er sich nicht und für eine Sedierung war er schon zu geschwächt. Also fuhr ich wieder nach Hause und wir probierten alles aus. Schinken, Scheiblettenkäse, Leberwurst, Gimpet Malzpaste, Milch, Joghurt usw. Das Einzige was er noch fraß war Sprühsahne und die Malzpaste, aber auch nur kleine Häppchen. Das reichte jedenfalls nicht, um wieder auf die Beine zu kommen. Sammy schlief nur noch und schaffte es noch so gerade aufs Katzenklo. Die Knubbel wurden immer größer und mehr und er war mittlerweile nur noch Haut und Knochen. Am Samstag dann wollte ich ihn nochmal zu Tierklinik bringen und ihn dort zum Päppeln da lassen, denn den einen Tag hat er in der Klinik eine ganze Dose Futter gefressen.

In der Nacht davor schlief ich sehr schlecht. Am Samstag Morgen fuhr ich dann mit Sammy los. Er lag nur noch in der Box und sagte keinen Pieps mehr. Sonst randalierte er immer da drinnen. Mit dem Arzt sprach ich lange über Sammys Symptome und was wir noch machen könnten. Der Arzt war aber der Meinung, dass man eigentlich nichts mehr machen könnte. Er war in einem sehr schlechten Zustand und er hatte noch nicht einmal mehr Unterhautfett. Die Augen fielen schon ein und das Fell war auch schon ganz stumpf. Ich fing an zu weinen, denn so langsam dämmerte es mir, dass ich ohne Sammy nach Hause fahren würde. Der Arzt schlug vor, dass wir ihn lieber erlösen sollten, denn er schien starke Schmerzen zu haben und er tippte darauf, dass er Krebs im Endstadium hatte. Es wäre wohl eine sehr aggressive Art von Krebs, die vielleicht schon lange arbeitete, aber auf Grund der OP und des geschwächten Immunsystems extrem schnell voranschreitet. Er hatte auch den Verdacht, dass sich bereits in der Speiseröhre/ im Rachen ein Tumor gebildet hat, denn er konnte feste Nahrung nicht mehr schlucken. Ich war am Boden zerstört. Mein kleiner Kater war doch eben noch ein kleines Kitten und nun sollte ich entscheiden, ob er sterben sollte? Ich wollte diese Entscheidung nicht treffen, der Arzt drängte mich auch nicht, aber aus seinen Worten hörte ich klar heraus, dass es keine Hoffnung auf Genesung mehr gab. Also gab ich meine Zustimmung, dass er Sammy erlösen kann. Er gab ihm eine Narkosespritze und wir deckten seine Box mit einer Decke ab und warteten ab, dass er einschlief. Der Arzt verließ den Raum, so dass ich mich von Sammy verabschieden konnte. Ich hatte noch 15 Minuten mit ihm. Ich betete für ihn und bat ihn Lora, Billy und Peter zu grüßen und heulte Rotz und Wasser. Ich war ganz allein mit ihm und es war totenstill. Ich fühlte mich schrecklich. Auf meine Veranlassung hin würde der Kater gleich nicht mehr leben. Ich fühlte mich wie eine Mörderin und ich weinte und weinte.

Nach 15 Minuten schlief er tief und fest und der Arzt kam zurück und erklärte mir, dass die zweite Spritze direkt ins Herz spritzen würde, Sammy davon aber nichts mehr spüren würde. Er fragte mich, ob ich dabei zusehen wolle und ich sagte ihm, dass ich Sammy weiterhin streicheln wolle, aber lieber weg schaue. Er sagte mir Bescheid als er fertig war und ich streichelte Sammy die ganze Zeit und wünschte ihm eine gute Reise über die Regenbogenbrücke. Ich heulte die ganze Zeit und nach zwei Minuten sagte der Arzt, dass Sammys Herz nicht mehr schlägt. Ich konnte es nicht fassen, dass er nicht mehr lebte. Es sah eigentlich nur so aus, als ob er schlafen würde und ich konnte nicht aufhören ihn zu streicheln. Irgendwann fragte der Arzt, ob er ihn jetzt mitnehmen solle und ich nickte nur noch, denn sprechen konnte ich nicht mehr. Ich streichelte ihm ein letztes Mal über den Kopf und sagte ihm, dass ich ihn ganz doll lieb habe und ging schnell aus dem Behandlungsraum und lief zur Toilette und wischte mir die Tränen ab, denn ich musste ja noch zur Kasse. Als ich jedoch total verheult vor dem Tresen stand, sagte mir die Helferin, dass ich ruhig gehen könne, man schicke mir alles Weitere zu. Und so verließ ich mit einer leeren Transportbox und einem gebrochenem Herzen die Klinik. Im Auto heulte ich dann nochmal richtig los und rief den Gatten an und sagte ihm, dass Sammy nicht mehr lebte. Ich bat ihn mit den Kindern das Haus zu verlassen, denn ich wollte nicht, dass sie mich so sahen.

Zu Hause stand ich erstmal wie erstarrt vor dem Sofa und starrte seine Kuscheldecke an. Ich konnte es nicht glauben, dass er nie wieder da drauf liegen würde. Nie mehr durch die Tür reinkäme. Wie in Trance räumte ich die Sachen weg. Als ich das Katzenklo entfernen wollte brach ich aber wieder in Tränen aus und konnte es nicht. Es steht immer noch in der Gästetoilette, ich kann es noch nicht wegräumen. Irgendwie wäre es dann so endgültig.

Die große Tochter fragt andauernd nach ihm und wenn ich ihr erkläre, dass Sammy über die Regenbogenbrücke in den Katzenhimmel gegangen ist, weil er so krank war und der Arzt ihm nicht mehr helfen konnte, dann guckte sie mich nur verständnislos an und versteht das alles noch nicht. Sie ist viel zu klein und kann sich unter solchen Sachen noch nichts vorstellen.


Mein lieber Sammy, ich hoffe dass es Dir da wo Du jetzt bist besser geht und Du glücklich bist. Hab Dich lieb Dicker.
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